Cover: The Memory of Trees

 

The Memory of Trees

irland journal (Germany) January 1996

Mit »The Memory of Trees« könnte Enya den Erfolg des Vorgänger-Albums »Shepherd Moons« durchaus noch übertreffen (davon wurden wohl immerhin 8 Millionen Exemplare verkauft!). Die Gefahr ist natürlich zunächst groß, daß Vorwürfe geradezu vorprogrammiert sind. Ist die Ähnlichkeit zu bisherigen Werken gar zu deutlich. Dann wird sofort von Eigenplagiat die Rede sein. Entfernt sie sich zu sehr von ihrer Erfolgsformel, dann wird sie genau jene Fans verlieren, die ihre Alben so geschätzt und in megamäßigen Stueckzahlen gekauft haben Aber Enya beweist ein Hoechstmass an Fingerspitzengefühl bei dieser Gratwanderung. Der vielgerühmte »Enya-Sound« ist sofort identifizierbar, jedoch gelingt es ihr zugleich, kleine und feine Abweichungen hineinzuschmuggeln. So weisen ihre »Songs« weit mehr kinematografische Phantasie auf als zuvor, und die Single »Anywhere Is« signalisiert, daß bei den Melodien nicht mehr gar so konsequent auf das Siegel »100% Ohrwurm-Stoff« gesetzt wird. Um aber Mißverständnissen sogleich klar vorzubeugen: Wer es mit Sphärenklaengen nicht so hat, wird sich trotz aller Qualitäten auch mit dem neuen Enya-Album nicht so recht anfreunden können. Ihren Fans aber kann »The Memory of Trees« mit Nachdruck empfohlen werden. Enya bedient sie bestens.



Note: Transcribed by Andreas Iwanowitsch. Photo provided by Andreas Wilke .